Götschendorf

(Historisch-dokumentarische Skizze)

Einleitung

Im nördlichen Teil der Uckermark, inmitten stiller Seen und Kiefernwälder, liegt die kleine Siedlung Götschendorf.
Heute herrscht hier Stille und Frieden, doch die Erde bewahrt Spuren von Ereignissen, die die Geschichte des Landes verändert haben.
Im Laufe von sieben Jahrhunderten haben sich hier die Schicksale slawischer Stämme und deutscher Ritter,
adeliger Familien und einfacher Bauern, von Militärs und Friedensstiftern, von Priestern und Pilgern verknüpft.

Götschendorf erinnert sich an eine bewegte Vergangenheit:
den Aufstieg der Familie von Arnim, den Zweiten Weltkrieg, die Nachkriegs-Friedensschule,
Jahrzehnte des Vergessens und schließlich eine neue Wiederbelebung mit der Ankunft des orthodoxen Klosters des Heiligen Georg.

1. Erste Siedler und altslawische Wurzeln (bis zum 13. Jahrhundert)

Lange vor dem Erscheinen deutscher Chroniken lebten hier die Ukranen — ein westslawischer Stamm, der die Gebiete zwischen Seen und Flüssen bewohnte.
Der Name Götschendorf leitet sich allem Anschein nach vom altslawischen „Godzicke“
ab, was „Eichenwäldchen“ oder „kleiner Hain“ bedeutet.

Die Bewohner betrieben Fischerei, Jagd und Ackerbau.
Holzhäuser wurden auf Anhöhen gebaut, und ringsum wurden Zäune gegen wilde Tiere errichtet.
Spuren dieser ersten Siedlungen finden sich noch heute in Form von Tonscherben, Feuerstellen und alten Erdhöhlen.

2. Deutsche Kolonisation und erste Erwähnung (12.–14. Jahrhundert)

Im 12. und 13. Jahrhundert traten die Gebiete der Uckermark in die Ära der Ostkolonisation ein.
Deutsche Siedler kamen hierher, bauten Steinhäuser und führten neue Wirtschafts- und Steuerformen ein.
Dabei blieben die alten slawischen Namen erhalten, wobei sich ihre Aussprache nur leicht änderte.

Die erste schriftliche Erwähnung Götschendorfs stammt aus dem Jahr 1375
und ist im Landbuch Karls IV. (Landbuch der Mark Brandenburg) enthalten.
In den Aufzeichnungen wird das Dorf als „Coczykendorp“ oder „Ghotzekendorp“ erwähnt.
Zu diesem Zeitpunkt gab es hier:

  • etwa 22 Bauernhöfe;
  • einen Gasthof für Reisende;
  • entwickelte Landwirtschaft und Weideland.

3. Niedergang und neue Wiederbelebung (15.–16. Jahrhundert)

Ende des 15. Jahrhunderts erlebte die Region schwere Zeiten: Kriege, Brände und Epidemien entvölkerten das Dorf.
In alten Dokumenten findet sich das Wort „Wüst“ — „leerer Ort“.
Doch das Land blieb nicht lange verlassen.

Im Jahr 1472 erwarb die einflussreiche Familie von Arnim diese Ländereien,
und bereits im Jahr 1553 erbaute Franz von Arnim hier ein Rittergut.
Das Dorf erwachte zu neuem Leben: Es entstanden neue Häuser, Ackerflächen, Mühlen und Wirtschaftsgebäude.

4. Die Familie von Arnim und die Blütezeit des Gutes (16.–18. Jahrhundert)

Über drei Jahrhunderte hinweg befand sich Götschendorf im Besitz der Familie von Arnim.
Im Jahr 1778 zerstörte ein Brand das alte Gutshaus, doch Berndt Jacob von Arnim baute es wieder auf,
indem er ein neues Herrenhaus im Stil des friderizianischen Klassizismus errichtete.

Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts stellte das Gut einen entwickelten Betrieb dar:

  • ausgedehnte Felder und Weiden;
  • 17 Wirtschaftsgebäude;
  • mehr als 4.000 Morgen Land (~1.000 Hektar).

5. 19. Jahrhundert — Reichtum und Wohlstand

Im 19. Jahrhundert wurde Götschendorf als Mustergut bekannt.
Das Gut wurde modernisiert, neue Technologien in der Landwirtschaft wurden angewendet.
In Dokumenten aus dem Jahr 1860 ist vermerkt: ein Wohnhaus, 17 Wirtschaftsgebäude,
reiche Viehfarmen, Fischteiche und eine entwickelte Infrastruktur.

6. 20. Jahrhundert — Schule, Krieg, Erinnerung

Der Beginn des 20. Jahrhunderts war von Veränderungen geprägt. Im Jahr 1910 erwarb das Gut
Prinz Leopold zur Lippe-Detmold, der ein neues Herrenhaus errichten ließ.
In den 1920er- und 1930er-Jahren wechselten die Besitzer mehrmals, doch das Dorf blieb ein lebendiges Wirtschaftszentrum.

Die Dorfschule Götschendorf (1929)

Am 1. Februar 1929 wurde im Dorf eine kleine Schule eröffnet.
In einer Klasse unterrichtete ein Lehrer Schüler aller acht Jahrgangsstufen.
Dies war ein wichtiger Schritt für die Bewohner des Dorfes und der umliegenden Siedlungen.

Zentrale Friedensschule (1953–1958)

In den Nachkriegsjahren gehörte Götschendorf zur DDR.
In den Jahren 1952–1953 wurde das Schlossgebäude renoviert: eine interne Rekonstruktion wurde durchgeführt, Möbel wurden installiert,
Räumlichkeiten für den Unterricht und die Unterbringung von Lehrern wurden vorbereitet.

Am 8. April 1953 wurde die Zentrale Schule des Deutschen Friedensrates eröffnet
(Zentralschule des Deutschen Friedensrates).
In fünf Jahren fanden hier 58 Kurse statt, die von mehr als 4.500 Teilnehmern besucht wurden
— Aktivisten der Friedensbewegung aus ganz Europa.

Gedenkstein für sowjetische Soldaten (1955)

Im Jahr 1955, zum zehnten Jahrestag der Befreiung, errichteten die Bewohner Götschendorfs gemeinsam mit den Schülern der Schule einen Gedenkstein
zu Ehren von zehn sowjetischen Kriegsgefangenen, die im Frühjahr 1945 ums Leben kamen.
Auf dem Stein ist eingemeißelt:
„RUHM und EHRE den Helden der Sowjetunion, den Befreiern vom Faschismus“
„Ruhm und Ehre den Helden der Sowjetunion, den Befreiern vom Faschismus“.

Nach der Wiedervereinigung Deutschlands geriet das Denkmal in Vergessenheit und sank allmählich in die Erde ein.
Kürzlich wurde der Findling gefunden, gehoben, instand gesetzt und eingezäunt — nun ist hier eine gepflegte Gedenkstätte.

Stein „Für den Frieden“ (1955)

Im selben Jahr errichteten die Teilnehmer der Zentralen Friedensschule einen weiteren Gedenkstein.
Er befindet sich im Schatten alter Bäume.
Auf dem Stein ist die Inschrift eingemeißelt:
„Die Toten mahnen uns: Erhaltet das Leben, kämpft für den Frieden!“
„Die Gefallenen mahnen uns: Bewahrt das Leben, kämpft für den Frieden!“.

Dieser Stein ist ein Symbol der Friedensarbeit der Schule und der Erinnerung an die tragischen Ereignisse des Krieges.

7. Stasi-Zeit und Niedergang

Nach der Schließung der Schule im Jahr 1958 wurde das Schloss als Erholungsheim der Nationalen Volksarmee genutzt
und später als Objekt des Ministeriums für Staatssicherheit (Stasi).
Der Komplex wurde zu einem Sperrgebiet.
Nach der Wiedervereinigung Deutschlands in den 1990er-Jahren geriet das Gut in Verfall, die Gebäude verfielen, das Land verwilderte.

8. Moderne Wiederbelebung — Kloster des Heiligen Georg

Im Jahr 2006 erwarb die Berliner Diözese der Russisch-Orthodoxen Kirche das Gut
für einen symbolischen Betrag von 1 Euro — mit der Verpflichtung, eine umfassende Restaurierung durchzuführen.

  • 2007 — Gründung des Klosters des Heiligen Georg.
  • 2011 — Ankunft der ersten Mönche.
  • 2013 — Weihe des Kuppelkreuzes.

Heute ist das Kloster:

  • eine majestätische Kirche im nordrussischen Stil;
  • Gästehäuser und Zellen für Pilger;
  • ein Bootsanleger am See und ein gepflegtes Gelände;
  • ein Ort der spirituellen Einkehr und Begegnung.

Das Kloster wurde zu einem neuen Zentrum des Lebens in Götschendorf, das die Erinnerung an die Vergangenheit bewahrt und ihm einen neuen Sinn gegeben hat.

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Apostel und Evangelium werden in der gewählten Übersetzung angezeigt. Die Psalmen folgen der liturgischen Einteilung des Tages.

Eph 1:7-17
Mk 8:1-10

Psalter

Beim Morgengottesdienst: Ps 134-142; Ps 143-150

Bei der Vesper: Ps 1-8

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