Götschendorf. Die Mönche
im zukünftigen russisch- orthodoxen Kloster von Götschendorf bereiten sich auf das höchste Fest vor. Wie, das erfuhr unsere Mitarbeiterin Carla Kniestedt von Abt Daniil Irbits.

Abt Daniil Irbits in der Hauskapelle in Götschendorf. Dort wird im Mai auch das orthodoxe Osterfest gefeiert. [KT_CREDIT] FOTO: Carla Kniestedt

Abt Daniil Irbits in der Hauskapelle in Götschendorf. Dort wird im Mai auch das orthodoxe Osterfest gefeiert. [KT_CREDIT] FOTO: Carla Kniestedt

Die meisten sind dabei, Ostersträuße zu schmücken, obwohl noch nichts auf das erwachende Leben hindeutet. Trotzdem, in wenigen Tagen ist es soweit, bei Ihnen aber nicht.
Nein, wir haben noch Zeit. Unser russisch-orthodoxes Osterfest richtet sich nach dem jahrtausendealten julianischen Kalender. Und nach dem errechnet sich Ostern anders. Für uns ist dieses höchste aller Feste erst am 5. Mai, da feiern wir die Auferstehung Christi. Und, was ganz wichtig ist: Niemals vor dem jüdischen Passahfest. Eine Woche liegt mindestens dazwischen.

Was hat das eine mit dem anderen zu tun?
Das Passahfest wird acht Tage lang gefeiert als Gedenken an die Befreiung der Juden aus ägyptischer Fron. Und es war der Beginn dieses Festes, als Jesus auf dem Esel in Jerusalem einzog, an einem Sonntag. Sie kennen diesen Tag als Palmsonntag. Am Freitagdanach wurde er gekreuzigt,am Sonntag darauf ist er auferstanden. Es liegt also eine Woche zwischen diesen Ereignissen.

Wie feiern sie Ostern?
Wir rechnen zwar nach einem anderen Kalender, aber ansonsten ist vieles sehr vergleichbar. Vor Ostern wird 40 Tage gefastet. Seit dem 17.März sind wir in der Fastenzeit. Davor aber gibt es zwei Wochen, in denen wir uns auf diese Zeit – in der es nichts zu essen gibt, was von einem Tier stammt – vorbereiten. Also kein Fleisch, keine Butter, keine Eier, kein Käse und so weiter. In der ersten Vorbereitungswoche gibt es ziemlich viel Fleisch, in der zweiten dann zwar kein Fleisch mehr, aber ziemlich viel Butter – deshalb heißt diese Woche bei uns auch maslenniza, also Butterwoche. Am Ende dieser Woche ist dann der sogenannte Vergebungssonntag.

Was bedeutet das?
Wir bitten jeden Menschen, die, die wir kennen, aber auch die, die wir nicht kennen, um Vergebung für das, was wir, vielleicht sogar ohne davon zu wissen, ihnen angetan haben. Und Gott natürlich auch. Und erst danach sind wir bereit für die richtige Fastenzeit. Aber wissen Sie, wir sind nicht gar so streng mit den Fastenregeln. Schwangere zum Beispiel, Kranke oder Kinder dürfen auch während dieser Zeit essen, was sie brauchen.

Und wenn dann endlich Ostern ist, die Fastenzeit also endet, gibt es dann traditionelle Gerichte?
Ja natürlich! Und sie haben auch bei uns viel mit Eiern zu tun. Die wir einfach so essen oder zum Kuchenbacken brauchen. Zwei gehören unbedingt dazu. Der eine nennt sich Pascha, der wird aus Quark gemacht und vielen Eiern, der andere ist ein Hefekuchen. Bei uns heißt er Kulitsch. So ähnliche gibt es in allen Ländern. Und dann schneidet man vom Hefekuchen etwas ab und streicht vom Käsekuchen etwas auf den Hefekuchen drauf und dann: essen und genießen.

Das klingt nun gar nicht nach Schonkost…
…nein, ist es auch nicht. Aber es schmeckt göttlich!

Sagen Sie, bekommen Sie von „unserem“ Osterfest etwas mit?
Natürlich, wir pflegen gute Kontakte, vor allem zu den katholischen Kirchen hier, gehen auch gern zu den Gottesdiensten an hohen Feiertagen.

Sie haben von Kuchen gesprochen. Wer bäckt denn für Sie?
Wir selbst. Wir kochen, wir putzen, wir waschen – und wir backen natürlich. Und was die Eier betrifft: Im Sommer werden wir hier auch Hühner haben – und einen Hahn natürlich auch. Dann können wir sogar die eigenen Eier essen. Gemüse bauen wir auch an. Wir wollen uns soweit wie möglich selbst versorgen.

Und Gottesdienste? Wo feiern sie die – noch ist keine Kirche da.
In unserem Wohnhaus, in dem jeder Mönch, jeder Novize ein Zimmer hat, haben wir unsere Hauskapelle. Da finden Gottesdienste statt. Und zwar auf Deutsch und Russisch.Und es kommen Menschen aus Berlin, aus der Umgebung, auch Götschendorfer sind dabei.

Kontakt zum Autor
red-templin@uckermarkkurier.de

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